Feb
2

Vom Tätowierer zum guten Freund...
von Volker Racho

 

Meine Geschichte handelt nicht von der Bedeutung meiner Tattoos, ehrlich gesagt haben meine Tattoos ansich gar keine Bedeutung, mir muss es einfach nur gefallen. Also wer nur etwas über bedeutungsschwangere Tattoos lesen will, kann eigentlich gleich aufhören! Hierbei geht es um das Zwischenmenschliche, verrückte Aktionen, und einen Menschen den ich als "100% GUTEN Menschen bezeichne"! Sorry dass sie etwas länger ist, aber ich finde, es ist eine sehr schöne Geschichte die es wert ist gelesen zu werden und vor allem auch nicht alltäglich passieren dürfte!

Angefangen hat alles mit meinem ersten Tattoo, im Nachhinein würde ich es nichtmehr machen, aber das geht ja vielen so, ich hab mir da ein riesen Tribal selbst gemalt und wollte es auf meinem Körper haben, bin ohne Vorinformationen zum Tätowierer der hier am nächsten dran ist gefahren und hab ihn loslegen lassen! Nach insgesamt 4 Std. für die Outlines wurde mir langsam klar dass der Typ nicht wirklich etwas von seinem Handwerk versteht, zu tief gestochen, die Linien teilweise nicht wie gewünscht usw., also hab ich das ganze erstmal auf Eis gelegt und bin knapp 4 Jahre mit den Outlines rumgelaufen auf der Suche nach jemandem der mir etwas draus machen kann und vor allem WILL, hier im Umkreis waren sich alle zu fein mir zu helfen.

Eines Tages war ich durch Zufall mit einem Bekannten in seinem Stammstudio, und bekam spontan Lust auf ein Tattoo, die Stammbesetzung im Studio hatte Termine bis zum St. Nimmerleins Tag, also wurde mir der Gasttätowierer Vorgeschlagen der 2 Tage später aus Brasilien, wo er sein eigenes Studio betreibt, angereist ist. Kurz ein paar Sachen von ihm angeschaut und 2 Termine gemacht.
Eine Woche später war es dann soweit, und wir haben in insgesamt 7,5 Std. meinen Unterschenkel tätowiert. Wir hatten sehr viel Spaß in dieser Zeit, haben uns gut unterhalten und deshalb habe ich ihn gefragt ob er nicht eine Idee hat was man aus meinem angefangenen Tattoo machen kann, er hat sich sofort bereit erklärt. Als er wieder zurück in Brasilien war hat es keine Woche gedauert bis er mir einen Entwurf geschickt hat, den ich einfach Top fand, in meinen Augen das Beste was man da noch rausholen konnte ohne gleich den gesamten Oberkörper zu Covern. Jetzt kam das Problem: Er in Brasilien, ich in Deutschland. Er hatte ca. 6 Monate später einen weiteren Aufenthalt in Deutschland geplant, der leider ins Wasser fiel, also beschloss ich nach Brasilien zu fliegen um dort Urlaub zu machen und auch gleichzeitig mein Tattoo vollenden zu lassen.

Als ich ihn um Hilfe bat bei der Auswahl des Hotels (nicht zu teuer, nahe dem Studio usw.) hat er mir ohne zu Zögern angeboten gleich bei ihm zu Hause zu Wohnen für diese 2 Wochen, ich war überrascht von soviel Gastfreundschaft und habe das Angebot angenommen, als ich dort ankam wurde mir aber erst wirklich klar was dieses Angebot "wert" war, entgegen meiner Erwartung hauste er mit seiner Frau in einer extrem kleinen Wohnung, der Flur war das "Wohn- und Esszimmer", dazu eine Mini Küche, ein klitzekleines Badezimmer, Schlafzimmer und ein "Arbeitszimmer" (wir würden es Besenkammer nennen), in dem ich dann "gewohnt" habe, für mich war es vollkommen ausreichend, aber ganz ehrlich, wenn ich in so ner kleinen Wohnung leben würde inkl. Frau, ich würde niemanden einfach mal so 2 Wochen zu Gast haben wollen, aber da ticken die Brasilianer, insbesondere er, anders!

Zusätzlich zu den Tattoos hatte er mir für die gesamten 2 Wochen ein supernettes Rahmenprogramm zusammengestellt, mit Ausflügen, Museumsbesuchen, Einkaufszentren usw., hat mir seine ganze Familie und Freunde vorgestellt, ich war quasi sofort in seinem Freundeskreis aufgenommen, ein sehr schönes Gefühl wenn man zu einem fast Fremden in ein so weit entferntes Land fliegt.

Naja, die 2 Wochen waren natürlich recht schnell rum, während diesen 2 Wochen haben wir auch knapp 26 Std. tätowiert (hierzu eine kleine Anekdote in meinem nächsten Beitrag!).

Der Abschied fiel mir viel schwerer als erwartet, weil ich das ganze vorher so nicht erwartet hatte. Ich habe aber auch menschlich viel aus diesem Urlaub mitgenommen.
Seit diesem Urlaub pflegen wir einen sehr intensiven Kontakt per Facebook/E-Mail usw.!

Im April 2011 war es dann endlich soweit dass auch ich ihn endlich bei mir zu Hause als Gast begrüßen durfte, er war für 3,5 Wochen hier, und wir haben neben einigen Tattoos natürlich auch jede Menge Sightseeing, Party, Shopping (ihr solltet mal einen Brasilianer in der METRO sehen *lol*) usw. gemacht, und auch dieses mal war ich wieder überrascht wie extrem sich die Mentalität zu unserer hier unterscheidet, ohne mit der Wimper zu zucken hatte er meine ganze Familie sofort ins Herz geschlossen, und auch meine Familie war von seiner offenen und freudnlichen Art begeistert (obwohl die alle was gegen Tattoos haben), das ging so weit dass sich meine Mum sogar noch ein kleines Tattoo von ihm hat stechen lassen :)))

Die ganze Geschichte mag vielleicht für Außenstehende nicht besonders spektakulär klingen, aber ich finde sie zeigt dass aus einem einfachen Tattoo viel mehr werden kann als nur ein bisschen Farbe unter der Haut und dass sowohl Tätowierte als auch Tätowierer ganz normale (bunte) Menschen sind.
Ich habe als Foto bewusst kein Tattoo gewählt sondern ein Foto dass während meines Aufenthalts in Brasilien entstanden ist, weil ich zwar mit den Tattoos schon die Erinnerungen an den Brasilienurlaub verbinde, aber mir im Endeffekt die Freundschaft die daraus entstanden ist, noch viel wichtiger ist!!






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