Feb
2

BURN out
von Arne

 

Mein Tattoo ist ein vorbeugendes Medikament, eine Impfung!
Die Geschichte ist lang, ich will sie daher auf das wesentliche beschränken.

Mein Leben verlief wie geschmiert; Abi, Bund, Lehre, Studium…..alles glatt und ohne Pause. Ja, ich war ehrgeizig, aber weniger nach außen, mehr nach innen. Es war nicht wichtig eine bestimmte Position zu erreichen, einen Titel zu führen oder sonst welche Statussymbole zu sammeln, aber es war wichtig, für meinen eigenen Anspruch an mich selbst, immer etwas mehr von mir zu verlangen, als mein Umfeld.
Äußerlich war alles perfekt, ganz im Stil „meine Familie, mein Haus, mein Boot, mein Hund….“, aber für mich drehte sich irgendwann alles nur noch um die Arbeit. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ob Feierabend, Wochenende oder Urlaub: immer mit Handy und Notebook,……“ich schau mal eben nach, ob in der Firma alles läuft“.
Irgendwann 2008 bin ich morgens aufgewacht und es ging nichts mehr. Ängste, Depressionen, Kraftlosigkeit, Heulerei, 10kg Gewichtsverlust in 2 Wochen. Diagnose “burn out“.

Ich konnte niemanden mehr um mich haben, habe 3 Monate isoliert von Freunden und Familie in einer kleinen Wohnung mit einer Matratze und einem Sofa versucht mich selbst zu verstehen und habe sukzessive mit Hilfe meiner Familie, meiner Ärztin und einer Psychotherapeutin wieder in´s Leben zurückgefunden.

Alles ist wie es war, selbst der Job,…..aber da ich gelernt habe die Arbeit als unwichtig zu erachten und auf 5 Tage die Woche zu beschränken ist alles nun sehr viel schöner und ich kann das Leben so richtig genießen. Karate und Meditation verhelfen mir zur inneren Ruhe und zur Annäherung an meine innere Mitte.

Aber warum das Tattoo? Burn out ist wie Magersucht, wie Alkoholabhängigkeit,…: man ist jederzeit latent gefährdet rückfällig zu werden und muss sich jeden Tag auf´s neue daran erinnern, gut zu sich selbst zu sein.
Irgendwann nach 2 Monaten allein in der selbstgewählten Isolation hatte ich plötzlich dieses Bild vor Augen! Ich habe hoch gespielt und mich dabei verbrannt……und damit bin ich ohne zu überlegen zum nächsten Tätowierer gegangen.
Heute sehe ich das Tattoo jeden Morgen im Spiegel, nehme mir vor „gut zu mir zu sein“ und bin stolz diese Phase überwunden zu haben. Jeden Morgen!

Mittlerweile ist die Therapie zu Ende, alles hat sich gefügt ich habe bereits ein neues Bild im Kopf, ein Symbol dafür, dass diese Episode hinter mir liegt,…..vielleicht etwas für die Schulter?
Schon die Naturvölker haben sich anlässlich einschneidender Vorkommnisse, guter wie schlechter, tätowiert, gepierct, geritzt oder ähnliches ……ich denke es liegt in uns.






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