Mit einem Ohrloch ist meist das Piercing durch das Ohrläppchen gemeint, jedoch kann im Ohr an zahlreichen weiteren Stellen in der Ohrmuschel Piercingschmuck angebracht werden, wobei dann häufig kleinere Ball-Closure-Ringe eingesetzt werden. Diese Piercings ziehen meist einen langwierigen Heilungsprozess mit sich.
Ein Conch-Piercing ist ein bestimmtes Piercing durch die Ohrmuschel. Es wird unterschieden zwischen dem Inner Conch und dem Outer Conch. Der Inner Conch sitzt in der Mulde in der Mitte der Ohrmuschel. Der Outer Conch sitzt oberhalb dieser Mulde und könnte auch als tiefer gesetztes Helix-Piercing beschrieben werden. Geeigneter Piercingschmuck für beide Varianten ist ein Barbell oder ein besonders großer Ball Closure Ring.
Oft werden Conch-Piercings auch mit größerem Durchmesser getragen. Da das Dehnen von Knorpelgewebe jedoch sehr schmerzhaft sein kann und besonderer Geduld und Pflege bedarf, wird der gewünschte Durchmesser des Stichkanals meist herausgestanzt (gepuncht). Das dabei entstandene Loch in der Ohrmuschel kann sich nicht wieder zurückbilden, da Knorpel vom Körper nicht reproduziert wird. Lediglich eine Verkleinerung des Kanals durch nachwachsendes Hautgewebe ist möglich.
Ein Helix-Piercing ist ein Piercing an der Ohrkante. Da es durch Knorpelgewebe gestochen wird, kann der Heilungsprozess wesentlich mehr Zeit und Pflege beanspruchen, als dies zum Beispiel beim Lobe-Piercing (Ohrläppchenpiercing) der Fall ist. Gewöhnlich wird als Einsatz ein Ball Closure Ring verwendet.
Als Industrial werden zwei gegenüberliegende Helix-Piercings verstanden, die mit einem Barbell verbunden sind.
Ein Rook ist ein Piercing einer bestimmten Stelle der Ohrmuschel. Es sitzt senkrecht im Antihelix, dem Knorpelsteg zwischen dem Inner Conch und dem Outer Conch. Für den Einsatz ist ein sehr kleiner Barbell oder ein Ball Closure Ring geeignet. Benannt wurde es nach dem Piercer Erik "Rook" Dakota, der es bekannt gemacht haben soll.
Ein Daith ist ein Piercing in der waagerechten Brücke des obernen Teils der Ohrmuschel. Die Heilungsdauer beträgt zwischen 3 bis 6 Monaten. Für den Einsatz ist ein besonders kleiner BCR oder ein Barbell geeignet. Auf Grund der besonders kleinen Stelle ist es nicht leicht zu stechen.
Ein Tragus-Piercing ist ein Piercing des Tragus in der Ohrmuschel. Es handelt sich dabei um den kleinen, dickeren Knorpelteil am Eingang des Gehörkanals. Ein Piercing durch den dem Tragus gegenüberliegenden Knorpelfortsatz wird als Anti-Tragus-Piercing bezeichnet. Für den Einsatz ist ein kleiner Ball Closure Ring oder ein Labret-Stecker geeignet. Letzterer ist beim Ersteinsatz mit Überlänge zu berechnen, da mit einer Schwellung des Gewebes zu rechnen ist.

Ein Snug ist ein Piercing durch den Ohrknorpel. Es sitzt in der inneren Knorpelauswölbung parallel zur Ohrkante. Möglich ist dieses Piercing nur, wenn der entsprechende Bereich der Ohrmuschel ausreichend ausgeprägt ist. Die Heilung dauert zwischen 3 bis 8 Monate und kann etwas langwieriger verlaufen, da beim Schlafen meist Druck auf die Stelle ausgeübt wird. Zum Einsatz eignet sich ein kleiner BCR.
In den 1990er Jahren wurden besonders das Augenbrauenpiercing und das Labret-Piercing populär. Bei ersterem handelt es sich um ein Oberflächenpiercing, wobei es bei entsprechender Position und Schmuckwahl geringfügiger unter Spannung als klassische andere Oberflächenpiercings steht.
Das Labret-Piercing wird meist zentriert mit einem Labret-Pin unterhalb der Lippe getragen. Verläuft der Stichkanal senkrecht und tritt aus dem Lippenrot aus, spricht man auch von einem Eskimo. In alternativeren Kreisen ist häufiger ein seitlich durch die Unterlippe gestochener Ring zu finden. Analog zum klassischen Labret-Piercing handelt es sich bei einem Medusa-Piercing um einen zentrierten Stecker über der Oberlippe.
Das Madonna-Piercing wird meist von Frauen getragen und ist seitlich oberhalb der Oberlippe positioniert. Optisch erinnert es an ein aufgemaltes Muttermal wie es beispielsweise von Madonna oder Marilyn Monroe getragen wurde.
Im Mund ist das senkrecht gestochene Zungenpiercing am populärsten. Eher selten und relativ riskant ist das Uvula-Piercing, das durch den Gaumen gestochen wird. Zu den unproblematischeren Piercings im oralen Bereich gehören das Lippenbändchenpiercing und das Zungenbändchenpiercing.
Mehrere spezielle Piercings sind auch an der Nase möglich. Vor allem etabliert hat sich dabei das Nostril-Piercing durch den Nasenflügel, das auch meist gemeint ist, wenn von einem „Nasenring“ die Rede ist. Von der Hippie-Kultur wurde es erstmals aus Indien in den westlichen Kulturkreis übernommen.
In der Piercingszene ist jedoch das Septum-Piercing durch die Nasenscheidewand populärer. Es kann sowohl durch das Knorpelgewebe gestochen werden als auch unterhalb dessen verlaufen.
Zu den seltenen Varianten gehören der Nasallang, bei dem ein Barbell sowohl durch beide Nasenflügel als auch die Nasenscheidewand führt, und der Austin Bar durch die Knorpelkappe auf der Nasenspitze.
Der sogenannte Erl verläuft durch den Nasenrücken, sitzt meist waagerecht zwischen den Augen und muss aufgrund der dort verlaufenden Gesichtsnerven besonders vorsichtig gestochen werden.
Neben den Piercings im Gesichts- und Intimbereich zählt das Bauchnabelpiercing zu den meistgetragenen Piercingvarianten und ist im westlichen Kulturkreis weitestgehend gesellschaftlich akzeptiert. Es kann am oberen, aber auch am unteren Rand des Bauchnabels gestochen werden, wobei erstere Variante wesentlich häufiger bevorzugt wird.
Sowohl als Schmuckpiercing als auch zur sexuellen Stimulation wird mittlerweile auch das Brustwarzenpiercing relativ häufig getragen.
Oberflächenpiercings wie das Madison-Piercing in der Drosselgrube , das Hüftpiercing schräg am Becken in der Nähe der Hüftknochen, sowie das Handweb zwischen den Fingern sind aufgrund der problematischen Beschaffenheit der entsprechenden Körperstellen eher selten; das Handweb vor allem wegen der eingeschränkten Funktionalität der Hände. Das Korsett-Piercing auf dem Rücken besteht aus mehreren symmetrisch angeordneten Piercingreihen, wird jedoch meist nur als temporäres Kunstpiercing gestochen.
Im Genitalbereich sind sowohl bei Männern als auch Frauen zahlreiche Piercingvariationen möglich. Im erweiterten Sinne kann auch das Brustwarzenpiercing aufgrund der erogenen Stelle zu den Intimpiercings gezählt werden.
Das relativ seltene Anuspiercing oder auch das Guiche und Fourchette-Piercing im Dammbereich können von Frauen und Männern getragen werden.
Zu den populärsten männlichen Intimpiercings gehört der Prinz Albert. Er verläuft von der Harnröhre ausgehend durch die untere Peniswand und wird wegen des erhöhten Tragekomforts meist mit dickerer Materialstärke getragen.
Der Ampallang verläuft horizontal, also quer durch die Eichel. Analog dazu sitzt der Apadravya vertikal. Die kreuzweise Kombination beider wird als Magic Cross bezeichnet. Der Reverse Prinz Albert (auch: Queen Victoria) verläuft wie ein gewöhnlicher Prinz Albert durch die Harnröhre, tritt jedoch oben aus der Eichel heraus und bildet somit quasi einen „halben Apadravya“.
Ein Dydoe sitzt im Eichelrand. Während bei den anderen Piercings der Heilungsprozess durch Urinkontakt gefördert wird, gestaltet er sich hierbei etwas langwieriger.
Das Frenulumpiercing verläuft durch das Vorhautbändchen und gehört zu den unkompliziertesten männlichen Intimpiercings. Das Weiten dieses Piercings, um Schmuck mit höherer Drahtstärke einzusetzen, gestaltet sich besonders einfach und erhöht auch hier den Tragekomfort.
Das Pubic im Bereich oberhalb der Peniswurzel gehört zu den Oberflächenpiercings.
Ein Oetan sitzt in der Vorhaut. Es kann an beliebiger Stelle angebracht werden und wird meist mit einem Ball-Closure-Ring getragen.
Piercings am vorderen Bereich des Hodensacks werden Hafada oder Scrotal genannt und gehören bezüglich Heilung und Pflege ebenfalls zu den unkomplizierten Intimpiercings. Ein Transscrotal-Piercing bezeichnet dagegen ein Piercing, bei dem der Stichkanal von der Vorder- bis zur Rückseite den gesamten Hodensack durchläuft.
Häufige Form des weiblichen Intimpiercings ist das Schamlippenpiercing. Dabei wird zwischen Piercings in den inneren und den äußeren Schamlippen unterschieden, die jeweils anderen Umständen bezüglich Durchführung und Heilung ausgesetzt sind.
Bei dem Christina-Piercing handelt es sich um ein Oberflächenpiercing, das vertikal in der Falte gestochen wird, an der die äußeren Schamlippen oben zusammenlaufen.
Das untere Ende des Nefertiti-Piercing endet ähnlich dem Klitorisvorhautpiercing unter der Klitorishautfalte. Es verläuft durch Klitorisvorhaut und Venushügel.
Analog zum Prinz Albert beim Mann verläuft das Piercing mit der Bezeichnung Prinzessin Albertina von der Harnröhrenöffnung zur Vaginalöffnung.
Das empfindlichste weibliche Intimpiercing stellt das Klitorispiercing dar. Aufgrund vieler Nervenenden ist es in der Durchführung besonders schmerzhaft. Es kann sowohl horizontal als auch vertikal durch die Klitoris gestochen werden und ist nicht zu verwechseln mit dem Klitorisvorhautpiercing.
Das Isabella-Piercing wird vertikal unter der Klitoris platziert, ein Triangle dagegen horizontal. In beiden Varianten handelt es sich um sehr tief gestochene Piercings.
Ein zentriertes, senkrechtes Piercing am unteren Ende der inneren Schamlippen wird Fourchette genannt.
Relativ selten und risikoreich ist das Suitcase-Piercing, das zwischen Enddarm und Vagina verläuft.
Es gibt natürlich auch Variationen, zum Beispiel das gedehnte Piercing. Es dient dazu, Schmuck mit größerem Durchmesser einzusetzen und kann durch ein Piercing vorsichtig geweitet werden. Diese Praxis ist vor allem vom Lobe-Piercing bekannt. Dabei wird meist ein konisch verlaufender Dehnungsstift verwendet, der zuvor mit Gleitgel bestrichen und vorsichtig in den Stichkanal eingeführt wird. Der Schmuck mit größerem Durchmesser wird anschließend am Ende des Dehnungsstiftes angesetzt und hinterhergeschoben.
Eine weitere Variation ist das Oberflächnpiercing. Bei einem Oberflächenpiercing handelt es sich um ein Piercing, bei dem sowohl Einstich- als auch Austrittskanal auf einer Ebene liegen. Diese stehen meist unter Spannung und werden häufiger vom Körper abgestoßen als andere Piercings. Beim Korsett-Piercing werden beispielsweise mehrere Oberflächenpiercings kunstvoll in mindestens zwei Reihen auf dem Rücken angebracht.
Eine Sonderform ist das Play-Piercing. Vor allem im Bereich BDSM ist das kurzzeitige Anbringen sogenannter Play-Piercings verbreitet. Hierbei werden Nadeln (Akupunkturnadeln oder dünne Braunülen) am Körper des Bottom gesetzt, die nach dem Ende des Spiels wieder entfernt werden. Mitunter werden an den so mit dem Körper verbundenen Elementen dünne Ketten oder Fäden befestigt, um diese miteinander zu verbinden und so den Körper im Rahmen einer Bondage in einer definierten Haltung zu fixieren. Das Verletzungsrisiko ist hierbei durch ein mögliches ungewolltes Ausreißen der Piercings hoch. Oft werden auch an Körperpiercings leichte Gewichte befestigt, die die Bewegungen des gepiercten Bottoms in Schmerzreize umsetzen. Intimpiercings sind in der BDSM-Subkultur ebenfalls sehr verbreitet.
Je nachdem, wie mehrere Piercings miteinander kombiniert oder angeordnet werden, spricht man von einem Orbital oder einem Venom-Piercing. Bei einem Orbital werden zwei Piercings mit einem Ring verbunden. So kann beispielsweise ein Ring durch zwei gegenüberliegende Vorhautpiercings geführt werden. Analog zeichnet sich das Industrial-Piercing dadurch aus, dass ein Barbell durch zwei Helix-Piercings verläuft, sowie der Nasallang der durch beide Nasenflügel und die Nasenscheidewand führt. Bei der Anordnung mehrerer symmetrisch verlaufender Piercings in Zunge oder Lippe oder entlang des Ohrrandes oder der Labien handelt es sich um Venom-Piercings.
Eine weitere Sonderform ist die Body-Suspension. Bei der Body-Suspension wird der Körper mit Haken gepierct, an denen Seile oder Ketten befestigt sind. An diesen wird der Gepiercte dann hochgezogen. Oft sind Body-Suspensions Teil besonderer Veranstaltungen (Conventions). Der Körper ist dabei besonderen Belastungen ausgesetzt: Starke Schmerzen, Kreislaufprobleme bis zur Ohnmacht, Infektionen, Rückenprobleme und Ausreißen gehören zu den möglichen Risiken. Body-Suspension kann ein Nervenkitzel sein, aber auch als persönliche Herausforderung, besondere Körpererfahrung oder zur Bewußtseinserweiterung betrieben werden. Auch im BDSM-Bereich wird Body-Suspension gelegentlich betrieben.
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